Stagnation – das kommt immer mal vor. Die Reise stoppt, es fließt nicht mehr, das Leben kommt zu einem ungewohnten Stillstand – den man zwar nicht möchte, aus dem man sich selber aber auch nicht befreien kann. Sonntag wäre Reisetag gewesen, die Nixe hätte eigentlich einen anderen Standort erhalten sollen. Aber wenn sich niemand findet, der sie in diesem Monat aufnehmen will, dann bleibt sie wo sie ist. Keine Veränderung, keine Reise, Stillstand.

Was bleibt zu tun? Es geht ums Verweilen, ums Lauschen und Beobachten, um Stille und Einkehr vielleicht. Es geht nicht darum, sich innerlich aufzulehnen, sondern darum, auch diese Erfahrung einmal mitzumachen und zu erleben, zu erspüren, was in dieser Erfahrung enthalten ist.

Die Reise unserer Nixe ist geplant auf ein Jahr. Wenn wir das mit der Lebensreise eines Menschen vergleichen, hat sie nun schon fast die Hälfte ihrer Reise hinter sich. Vielleicht ist zu diesem Zeitpunkt bereits angebracht, einen Teil der Ernte einzufahren – und das ganz bewusst. Sich nicht immer wieder aufs Neue in den Fluss zu stürzen, sich der Ablenkung, den Freuden des Fließens hinzugeben, sondern an dieser Stelle einen Stopp einzulegen, um sortieren zu können. Was war alles bisher? Was ist jetzt? Und wie will ich weitergehen? Welche Qualität wünsche ich mir für meine Zukunft?

Und dann kann ich neue Weichen stellen. Mit dem bewussten Erleben von Stagnation stelle ich ein Vakuum her. Ein jedes Vakuum aber zieht Kräfte an. Mir bleibt dann zu entscheiden, womit es sich wieder füllen soll.

Und eines ist sicher – das Wasser und der Fluss des Lebens wird mich nach dieser Phase wieder umspülen und die Reise wird sich fortsetzen. Vielleicht mit einer anderen Qualität.
                                                                                                                                                      (Ria Wahlen-Cordes)