Was es doch alles für Nixendarstellungen gibt. Hier sehen wir eine Nixe als „Santa Muerte“ (ich habe ihr mal den Zusatz ‚dal Mare‘ geschenkt). 

„Santa Muerte“ – der heilige Tod in Frauengestalt. Diese Göttin des Todes wird in Mexiko (und anderen Regionen Lateinamerikas) sehr verehrt. Unklar ist, ob ihr Ursprung schon von den Azteken herrührt oder erst nach der Conquista entstanden ist.
Die katholische Kirche mag sie nicht, denn sie ist weder eine Maria noch eine Mutter Teresa – Frauenbilder anderer Art werden nur schwerlich als angenehm empfunden.

Der Tod, er gehört zu dem Dunklen, Tiefen, Bedrohlichen, weil Unbekanntem. Es bleibt uns Lebendigen ewig verborgen, was danach ist, was danach kommt. Wir können uns Vorstellungen davon machen, wir können dieses und jenes glauben, die Religionen bieten dazu Verschiedenes an. Nur WISSEN tun wir es nicht. Wie schrecklich doch, dass wir sooo viel wissen, aber das nun ausgerechnet mal nicht.

Ein Mysterium, das uns verborgen bleiben wird, bis….  –  ja, bis es denn endlich soweit ist – bis wir es erfahren, bis wir dieses Mysterium selber ergründen dürfen. Bis wir es „erleben“ sozusagen. Ich weiß, dass man mich jetzt für ziemlich durchgeknallt hält, aber ich bin gespannt auf diesen Moment des Übergangs. Ich habe sogar als Herzenswunsch, ihn sehr bewusst erleben zu dürfen, diesen Übergang.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ich ihn vorziehen möchte. Brauche ich ja nicht, er kommt von selbst. Die Gewissheit habe ich. Gewissheit ist etwas Schönes. Gewissheit ist etwas, das einem Ruhe verleiht und Klarheit.

Aber worüber wollte ich doch gleich noch schreiben? Über Santa Muerte.
In Mexiko ist der Tod auf der Straße so alltäglich, hohe Kriminalität und Drogengeschehen sind so mit allem verwoben, dass es nicht verwundert, dass eine Heilige des Todes verehrt wird. Man bittet sie um Vieles, aber oft auch darum, dass der Tod nicht qualvoll sein möge, nicht brutal daherkommen möge, sondern sanft und liebevoll. Die katholische Kirche hat ihren Gott und ihre Heiligen scheinbar nicht machtvoll genug etablieren können, was diesen Punkt anbelangt.

Dabei war die in ihrem Namen ausgeführte missionarische Tätigkeit doch recht erfolgreich verlaufen. Millionen der Ureinwohner waren im Laufe eines Jahrhunderts zumeist durch von Europäern eingeschleppte Infektions-(Virus-)krankheiten dahingerafft worden. Es blieb eine überschaubare Menge an Menschen übrig, die verängstigt genug waren, dass sie sich bekehren ließen – einem freundlicheren Glauben zuführen mit zweifelhaften Methoden.

Doch Santa Muerte lebt weiter, Heidentum hin oder her. Sie scheint den Leuten vertrauenswürdiger zu sein, vielleicht auch durchsetzungsstärker als Jesus, der „Softie“. Vielleicht braucht es in solch einem Umfeld eine unheilige Heilige, denn im kriminellen Milieu erfährt sie ganz besondere Beachtung. Auch dort betet man, auch dort braucht man Schutz und Fürsorge, auch dort sucht man Beistand – die mütterliche Zuwendung einer Machtvollen, einer mit dem Tod Vertrauten, einer, die bereits des Todes Kleider trägt.

Wie passend, sie auch als Nixe darzustellen. Das hat Charlotte Heiduczek künstlerisch ausgeführt.

(Ria Wahlen-Cordes)