Ich traf meine blaue Schwester am Fluss
Und gab ihr einen schwesterlichen Kuss.
Einst schmückte ich eines Seglers Bug,
bis man mich ins Haus am Hafen trug.
Seitdem träume ich von alten Zeiten,
von Delphinen, die auf Wellen reiten,
von ruhiger See und von wilden Stürmen,
von Seen, die sich haushoch türmen,
von Wellen, die das Meer aufwühlen,
von Wogen, die mich sanft umspülen.
Ich träume von Männern, die mich liebten,
auch wenn Gischt und Seewasser über sie stiebten.
Ich schützte die Seeleute und ihr Schiff
Vor Untiefen, Felsen und vor dem Riff.
Wo wir auch fuhren, ich fuhr voran.
Das liebte ich, und ich hab es getan.
Ich liebte die Häfen, das Möwengeschrei.
Das alles ist heute seit langem vorbei,
nicht mehr Galionsfigur, das ist lange aus.
Ich bin nur noch Nippesfigur im Haus.
Ich hänge im Hause an einer Wand.
Ein trauriges Schicksal, das mich fand.
Die blaue Schwester wandert umher.
Ich träume nur vom Wandern, vom Schiff und vom Meer.

 

Manfred Bublitz