Darf ich vorstellen? Die Nixe hat einen neuen Platz erhalten. In romantischer Umgebung, in einem Meer von Pflanzen und Blumen steht sie, vom Haus und dessen Bewohnern beschützt, oben auf dem Deich und schaut in die Landschaft. Von vorne kann man fast bis zur anderen Elbseite blicken, im Rücken fließt die Lühe, mal auf, mal ab und führt die vielen Geschichten mit sich, die sich an ihren Ufern zutragen.

Wir Nixenbegleiter werden oft gefragt: „Was soll das eigentlich mit der Nixe?“ „Wozu ist das gut?“ oder auch „Was soll das darstellen?“ „Wozu macht Ihr das?“ „Das macht doch gar keinen Sinn.“

Stimmt. Der Sinn entzieht sich mir auch manchmal. Im Tun jedoch, in der Beschäftigung mit der Nixe erfahre ich und vielleicht auch manch Mitbegleiter eine Form der losgelösten Selbstvergessenheit, wie ich sie aus der Kindheit kenne. Spielen ohne Ziel, sich abmühen, ohne eine Pflicht dabei zu empfinden. Zusammensein mit Menschen, die dasselbe tun im selben Moment. Sich erfreuen an dem scheinbar Sinnlosen.

Was ich nicht verstehe, ist, warum die Menschen, die uns beobachten, das alle so merkwürdig finden.
Dasselbe findet doch jedes Jahr Anfang August in viel größerem Umfang in unserer Gemeinde statt.
OK, bei uns läuft das nicht alles so geordnet ab, wir haben auch keine Uniformen und trinken zur Einstimmung höchstens mal einen Prosecco – mit alle Mann! Wir krönen auch keine Majestäten, weil, die brauchen wir nicht, wir haben ja unsere Nixe.

Wir Nixenbegleiter sind Bürger, die ihre Freiheit ausüben und dies ein Mal im Monat feierlich begehen, könnte man sagen.

Wir müssen unsere Freiheitsrechte nicht mehr an der Stadtgrenze mit Waffen verteidigen wie im Mittelalter. Wir müssen uns nicht mehr an den Waffen üben und Gilden beitreten. Diese Zeit ist lange vorbei. Sie ist überkommen.

Wir sind längst in einer anderen, einer persönlichen Freiheit angekommen, die wir leben können im Rahmen unserer Gesetze. Diese Freiheit ist ein so hohes Gut, dass wir uns selber gestatten sollten, immer mehr in sie hinein zu wachsen und den Raum dafür zu weiten.
Und wie merkwürdig doch, dass von Vielen nicht verstanden wird, wenn Menschen das auf so harmlose Weise tun wie die Nixenbegleiter dieser Tage.

Kunst will dieses Bewusstsein wecken.

Abschließend möchte ich – obwohl dies selbstverständlich sein sollte – erklären, dass der Inhalt dieses Blogbeitrages auf meinen persönlichen Mist gewachsen ist und nicht automatisch die Meinung all derer widergibt, die sich mit mir an unserem Kunstprojekt beteiligen. Das Beitragsbild vom jetzigen Standpunkt der Nixe ist davon auch unabhängig zu betrachten. Ich habe mir die Freiheit genommen, dies Forum zu nutzen, um meine Gedanken mitzuteilen. (Ria Wahlen-Cordes)