In Grünendeich an der alten Schleuse stand einst ein kleines Haus.
Drin wohnte ein junger Fischer, der fuhr auf die Elbe hinaus.

Er fischte zumeist und gerne entlang Lühesand,
weil er dort die schönsten und größten Schollen fand.

Die Mutter blieb daheim, umsorgte für ihn das Haus.
Und nach einer passenden Frau schaute die sorgende Mutter aus.

Einst fuhr er wieder mit dem Kutter entlang Lühesand.
Da stand auf dem Sand eine Frau und winkte ihm mit der Hand.

Sie war wunderschön, ihre enge Kleidung war bunt.
Ein Gesang wie von Engeln wehte aus ihrem Mund.

Es klang wie Harfe, wie Geige oder auch wie Schalmei.
Und es klang wie Lockruf: Fischer komm doch herbei!

Ihre Haut war so blau wie im Sommer das ruhige Meer.
Der Fischer hörte nur. Komm her, komm doch her.

Da wusste der Fischer, er hatte die Nixe geseh`n.
Doch er wusste nicht, dass es nun um ihn gescheh´n.

Kaum hatte er alle Schollen an Land gebracht,
fuhr er wieder hinaus, egal ob bei Tag oder Nacht.

Am siebenten Tag blieb er fort und war nicht mehr geseh`n.
Niemand wusste wieso, und was war mit dem Fischer gescheh`n.

Die Mutter verblich, ihr Gesicht wurde alt und grau.
Da stand an dem Sterbebette eine wunderschöne Frau.

„Wo ist er, “ fragt die Mutter, „wo ist denn mein Sohn?“
Die Stimme er schönen Frau war wie ein sphärischer Ton:

„In meinem Reich“, sagte sie, „er ist bei mir geblieben.
Er war so jung und so schön, ich musste ihn einfach lieben.“

„Wo ist er, “ fragt die Mutter, „sag mir doch bitte den Ort.“
Doch die junge schöne Frau, die Nixe war mit einem Mal fort.

Heute geht die Nixe von Haus zu Haus und von Hand zu Hand.
Ihr Mütter, passt auf auf die schönen Söhne im Alten Land.

Manfred Bublitz