Ebbe und Flut – unsere Gezeiten.
Ein Kommen und Gehen, Auf und Ab, als würde es atmen, das Meer. Ewiger Rhythmus. Herzschlag der Welt.

Das Wesen des Wassers ist weich, kann sich nicht einmal dem Einfluss des so weit entfernten Mondes entziehen, ist auf eine Art verbunden mit ihm. Entfernt und doch verbunden. Beides zugleich.

Ebbe und Flut. Ist auch Mangel und Fülle.
Im Mangel offenbaren sich die Strukturen, in der Fülle werden wir überschwemmt.

Es ist gut, die Strukturen zu kennen, zu wissen, was sich unter der Oberfläche befindet. Es ist gut, sich und die Welt auch mal im Mangel zu erleben – dann sehen wir die Beschaffenheit des Grundes. Dann sehen wir, worauf sich unsere persönliche Welt gründet, worauf wir selber bauen können, auf welchen wirklich festen Untergrund wir vertrauen dürfen.

Die Fülle danach ist der Frieden, der einzieht. Ein Befluten all dessen, was auszutrocknen drohte. Ein Wegspülen der Schmerzen.

Ebbe und Flut.

Menschen an Gezeitenströmen, Menschen am Meer, sie sind mit diesem Rhythmus verwoben. Sie tragen ihn in ihrem Genom. Sie wissen um das Auf und Ab in der Welt. Sie wissen darum, dass die ganze Welt atmet – ein und aus. Jeden Tag, jede Stunde, jedes Leben.

Auf die Flut ist Verlass, jedoch nur im Rhythmus der Gezeiten.

In mir ist große Trauer
Ich habe was verlorn
An meinem Strand ist Ebbe
Mit Flut werd ich geborn

Ich lebe in Gezeiten
Die mein Empfinden schafft
Aus tiefer Lebensliebe
Bin ich der Welt vermacht

(ria walenco)