‚Hallo‘ – ich bin es diesmal selber. Ich bin umgezogen, so sagt man wohl bei Euch. Freundliche Menschen (die ich inzwischen kenne) haben mir geholfen, einen neuen Platz einzunehmen. Die Lühe fließt fühlbar ruhig hinter meinem Rücken dahin, ich bin direkt am Hafen in diesem Ort Steinkirchen und mein Gesicht ist dem Deichweg zugewandt, damit Vorbeigehende mich sehen können – und ich sie!

Ich bin ein Mischwesen, eine Amphibie eigentlich. Ich lebe am liebsten unter Wasser, das ist mein Reich, doch kann ich auch atmen und oben in der Luftwelt sein. Da meine Gestalt zum Teil menschlich ist, kann ich mich unter Euch aufhalten, ohne dass es Angst hervorruft. Und weil das so ist, bin ich gekommen, um zu sehen, zu hören, zu verstehen, was hier oben los ist. Sprechen kann ich nicht, ich kann nur aufnehmen, alles an mich heranlassen, in mich hineinnehmen, um es zurückzutragen in meine Heimatwelt, das Meer.

Ich habe unzählige Geschwister, zum Teil kennt Ihr sie. Sie leben in meinem Reich oder an der Grenze zu Eurem.

Alle sind sie mit mir verwandt. Wir wissen um unsere Verwandtschaft, wir fühlen sie. Auch wenn wir uns voneinander ernähren – das ist nur ein ewiges Nehmen und Geben. Jeder von uns hat dazu vor Urzeiten sein Einverständnis gegeben. Es ist gut so wie es ist.

Auch in Eurer Obenwelt gibt es Wesen, die mit uns verbunden sind, die sich verbunden fühlen mit unserer Heimatwelt.
Verbindung – das ist eigentlich das Schlüsselwort.

Ich bin gekommen, um herauszufinden, ob Ihr von dieser Verbindung wisst. Denn wir fühlen uns manchmal wie abgeschnitten von Euch, getrennt. Und das war nicht immer so.

Was beschäftigt Euch so sehr, dass Ihr die Verbindung zu uns nicht mehr spürt? Was nimmt Euren Geist derart gefangen, dass er nicht mehr frei ist? In welches Gefängnis habt Ihr Euch selber verbannt?
Es gibt Gefängnisse, die kann man einfach verlassen, denn es ist noch nicht einmal jemand da, der sie bewacht. Und doch gibt es viele, die darin verbleiben.
Ein Rätsel.

Wenn ich herausgefunden habe, was hier los ist, werde ich zu meinen Geschwistern zurückkehren und ihnen berichten. Sie wollen verstehen. Und wer weiß, vielleicht können wir Euch dann ja sogar helfen.

Aber erst höre ich genau hin, sehe hin, beobachte, nehme auf, nehme Eure Gedanken und Gefühle in mich, bewahre sie dort. Es ist traurig, so lange von meinen Geschwistern getrennt zu sein und das Meer nicht spüren zu können auf meiner Haut, in meinem Mund und meinen Kiemen.

Ich habe Ria gebeten, dies für mich weiterzugeben.