Heute ging es um unsere Vorstellungen, die wir von etwas haben oder die wir uns machen können. Das war gar nicht als Thema proklamiert, aber sowohl Kai Helm mit seiner dadaistischen Einlage als Anlehnung an Franz Müllers ‚Drahtfrühling‘ als auch Ingeborg Theuerkaufs Qigong – Übungen ‚Wolken wegschieben‘ oder ‚Das Boot ins Wasser schieben‘ sprachen das Thema Vorstellungen an.

Aber begeben wir uns doch erstmal zurück an den Anfang. Zum ersten Mal regnete es, als wir zum Nixentreffen gingen, Schirme wurden mitgebracht, mussten benutzt werden. Als wir jedoch alle beisammen waren, um unsere Reise zu starten, da blieb das Wasser artig in den Wolken.

Ich mag es, wie ungeordnet unser ‚Haufen‘ immer seine Aufgabe erfüllt – die Nixe weiterbringen – und damit doch auch unsere Idee von dieser Art einer Reise, dieser Aktionskunst.

Nicht jedem sieht man die Verbindung zu unserem Nixenprojekt an, manchem gelingt ein subtiler Hinweis darauf.

Angekommen am neuen Aufenthaltsort wird der rechte Platz gesucht für Nixe und Schild. Sie steht jetzt im Garten der Opus AG bei Nachbarn von Ingeborg und Kai, denn ihr Garten liegt nach hinten raus, die Öffentlichkeit könnte dort die Nixe nicht sehen.

Die Öffentlichkeit – um die geht es nämlich auch bei einem Kunstprojekt. „Da steht ja ’ne Nixe! – Warum steht die da?“
Nicht anders als in dem vor 100 Jahren entstandenen Werk ‚Drahtfrühling‘, das seinerzeit von dem Dadaisten Kurt Schwitters vorgetragen wurde, gibt es nämlich auch heute genauso Menschen, die sich in ihrer Vorstellung an diesem Kunstobjekt reiben, denen es schon Mühe macht, die Nixe als Kunstwerk anzuerkennen. Der Schauspieler Kai Helm erinnerte unter Einbeziehung aller Beteiligten heute an dieses Erzählstück.
Die ‚große glorreiche Revolution in‘ Höhen blieb allerdings aus.

Anders als in dem satirischen Stück, wo sich feste Vorstellungen an einer nur leicht ungewohnten Realität derart reiben, dass es zu einer chaotischen Dorfrevolution führt, zeigte uns Ingeborg Theuerkauf heute, wie wir im Qigong unsere Vorstellungswelt in positiver Weise nutzen können, wie wir aktiv auf unsere Vorstellungswelt Einfluss nehmen können, um unser Wohlergehen zu begünstigen.
‚Wolken wegschieben‘ war die erste Übung, an der sie uns im Garten teilhaben ließ.

Und nach der zweiten Übung ‚Boot ins Wasser schieben‘ konnten wir dann unser Kunstobjekt Nixe auch für den Moment loslassen und uns bei Feuerschale und heißem Apfelsaft, bei Kuchen, Keksen und netten Gesprächen an diesem Sonntagnachmittag erfreuen, an der Gemeinschaft, am Wiedersehen und daran, dass man auch bei anfänglichem Regen den Hintern vom Sofa erhoben hatte.

Ja, unser Kunstprojekt ist keine Konsumkunst, wir müssen nicht mit dem Hintern stundenlang in engen Sitzreihen in geschlossenen Räumen verbringen (sicher, auch das ist mal schön) – nein, wir sind draußen, gestalten mit, gehen in Kontakt mit denen, die ebenso interessiert sind, lernen neue Leute kennen und neue Ideen, sind beteiligt und teilen. Und wie alle Künstler würde auch ich mir wünschen, dass Inspiration stattfindet. Eine Öffnung der bisherigen Vorstellungswelten vielleicht.

(Ria Wahlen-Cordes)