Die Nixe steht jetzt seit Himmelfahrt bei uns im Garten. Das Wetter ist gut, wir sind viel draußen und können daher beobachten, wie die Spaziergänger auf dem Deich stehen bleiben und das künstlerische Ensemble Nixe + Gedichtbanner in Augenschein nehmen, fotografieren, sich inspirieren lassen, denn wir nehmen wahr, dass man sich darüber unterhält. Es ist schön, etwas in die Welt zu bringen, das zunächst ungewöhnlich ist, das Menschen dazu anregt, ihre Aufmerksamkeit auf etwas Fremdes und Neues zu lenken. Das ist ein Sinn, der in der Kunst steckt. Kunst muss nicht große Malerei sein, Kunst ist die Auseinandersetzung eines Menschen mit seiner inneren und/oder äußeren Welt, die er auf welche Art auch immer ausdrückt. Und Kunst liegt in den Augen des Betrachters.

Da unser Leben nie statisch ist, sondern ein fortschreitender Fluss von Bewegung, dem wir folgen müssen, ist es im Grunde sinnlos, sich immerzu festhalten zu wollen an dem Beständigen. Jeder von uns wünscht sich eine gewisse Beständigkeit, ich auch, aber wir wollen davon oft zuviel. Wer zu wenig loslassen kann, den wird das Leben irgendwann zu einem Wandel zwingen – durch unerwünschte Umstände, die ins Leben eintreten. Das Leben ist außerordentlich ideenreich im Kreieren von „Umständen“.

Sich hin und wieder mit Kunst zu befassen, ist ein Weg, um seinen Geist und sein Gefühl heranzuführen an ungewohnte Sichtweisen, an gänzlich Neues, sogar an etwas, das wie eine Provokation wirken mag. Wer das an neutraler und friedlicher Stelle mal tut, Kunst auf sich wirken lassen, der übt seinen Geist im Andersdenken und sein Gefühl darin, mehr inneren Reichtum anzuhäufen. Beides kann helfen, dem fortschreitenden Fluss von Bewegung in unser aller Leben gewachsen zu sein.

Das Nixenprojekt hat meinem eigenen Projekt in diesem Jahr einen ganz unerwarteten Anschub gegeben. Dafür bin ich dem Leben ziemlich dankbar.
Ria.Walenco.de