Wie ein großer Bagger zerrt da der kleine, nicht unhübsche Corona-Virus mit seinen Auswirkungen gerade an unserem Alltagsbild. Ein bisher so noch nicht dagewesenes Szenario. Überrascht nehmen wir jeden Tag neue Informationen auf, die für uns alle Einschränkungen zur Folge haben. Die Welt ist ver – rückt gerade.

Wir wollten die Nixe am Sonntag zum Rathaus bringen. Mit ein paar Leuten, die dazu gekommen wären. Ich habe auch heute noch keine Bedenken, was diese Aktion betrifft und empfinde mich nicht als sozialschädlich. Wir haben nicht erwartet, dass das Rathaus uns einen Empfang bereitet am Sonntag, wir wollten die Nixe nur zum nächsten Standort bringen, um den Jahreslauf zu vollenden. Unser OB allerdings „möchte die Nixe zur Zeit nicht am Rathaus haben“ – tja, und dann können wir sie da natürlich auch nicht einfach abstellen.
Die Nixenreise am Sonntag, dem 22. März ist damit und hiermit abgesagt.

Die wenigsten von uns werden wirklich ernsthaft krank werden, nehme ich an, aber der große Bagger rüttelt an Gewohntem, beschneidet uns, trennt uns von etwas ab. Ja, und er reißt auch Löcher in das Materielle. (Das Foto zeigt unser Nachbarhaus vor ein paar Monaten)

Ich fühle mich unerwünscht fremdbestimmt. Ich fühle mich unter sozialer Kontrolle gerade, ein Gefühl, das ich sehr unangenehm empfinde, weil ich damit aufgewachsen bin und mich im Laufe meines Lebens glücklich davon befreit hatte. Jetzt ist dies Gefühl wieder da. Ich setze mich damit auseinander. Ich prüfe, was es mit mir macht – dies alte bekannte Gefühl.

Die Fremdbestimmtheit ist ein ebenso unangenehmes Gefühl. An ihr habe ich gearbeitet. Ich bin nicht mehr fremdbestimmt. Ich muss mich gerade selber überreden, die behördlichen Anweisungen als auch von mir gewollte Maßnahmen anzuerkennen. Damit bin ich noch nicht fertig, mit diesem Prozess. Und ich weiß auch nicht, ob meine Überredungskunst dafür ausreichen wird.

In mir ist aber auch eine Art von Freude, weil ich mir wünsche, dass unsere Gesellschaft(en) sich verändern mögen und weil ich – durch eigene persönliche Erfahrungen – weiß, wie wichtig dafür drastische Erfahrungen und auch solche Einschnitte sein können. Sie vermögen Sichtweisen zu verändern und uns zurückzubringen zu uns als Mensch. Wenn Corona dazu einen Beitrag leistet, dann danke ich diesem kleinen Bioanarchisten für seine friedvolle und segensreiche Arbeit.

Die Nixe lächelt mir zu. Ich sehe ihre Zustimmung zu all dem.
Wie kann man Menschen, die unser Nixenprojekt für nichts anderes als Blödsinn halten, nur den Sinn von Phantasie erklären? Wie nur? Ich bin sicher, auch das würde in Gesellschaften etwas verändern.

Ich wünsche allen Lesern eine friedvolle und segensreiche Corona-Zeit. Wir melden uns wieder, wenn es weiter geht.
(Ria Wahlen-Cordes)