Eine Entführung ist es nun doch nicht geworden. Kerstin vom Hofcafé Ottilie war vor Ort und hat uns die Nixe freiwillig mitgegeben. Es war ja auch kein ’schöner blauer Sonntag‘ so wie bei Mackie Messer, er war neblig und trübe, der Tag. Aber Nixenbegleiter lassen sich auch von solchem Wetter nicht abhalten. Sie sind engagiert und verlässlich, beschützend und treu. Unsere Nixe hat es ganz gut getroffen hier bei uns.

„Wie bekommen wir nun die Nixe aufs Dach?“ war die Frage, die sich uns bei der Ankunft in ihrem Dezemberhafen stellte. Eine Brücke bilden, über die sie hochrollen kann? Dazu bräuchte es zwei gute Waschbrettbäuche nebeneinander. Das wäre ihre Spurweite. Nicht etwa, dass es daran mangelte, aber man entschied sich doch für die konventionellere Methode und hievte die Nixe mit den Bizeps aufs Dach.

Noch in die richtige Position gebracht, hat sie nun ein ganzes Dach für sich allein. Ein schönes Ausguckplätzchen. Aber auch ein schöner Anguckplatz. Und wenn noch die Leiter wegkommt, kann ihr niemand zu nahe treten.

Zur Feier des Tages war heute die letzte aktive Moritatensängerin des Alten Landes mit von der Partie und sang die Moritat von der Nixenentführung. Der im Anschluss herumgereichte Zylinder erbrachte nur wenig Bares. Im Alten Land ist dies ein harter Job.

Den Abschluss unserer Nixenaktion bildete die ‚Vernissage im Kurbad Atelier‘ bei Gregor Heiduczek und Claudia Letulé – ein wärmendes, überraschend schönes, angenehm befreites und gelungenes Ambiente. Ihre fantasievolle, surrealistische Kunst schafft in manchen Arbeiten sogar eine Brücke zur Nixe. Der Raum bietet einen wohltuenden Kontrast zur häufig vorherrschenden Fantasielosigkeit unserer zumeist von festen Vorstellungen geprägten Umgebung. Ein Aufatmen gelingt in diesem #vogelfreien Raum.
(Ria Wahlen-Cordes)